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Erst Fremde, dann Freunde – ganz einfach!

Teilnehmergruppe der Harzfreizeit 2015

 

Es wiederholt sich immer wieder: Zunächst das gespannte Warten auf den russischen Bus aus Selenogradsk an der Kurischen Nehrung. Wenn er dann endlich spät abends mit 20 Kindern, zwei Betreuerinnen und zwei Busfahrern nach fast 18stündiger Fahrt im Harz angekommen ist, herrscht beim gemeinsamen Abendessen noch unsichere, abwartende Ruhe. Dann am nächsten Morgen erste zaghafte Kontakte auf Englisch und Deutsch oder mit „Händen und Füßen".

 

Was dann in den nächsten Tagen passiert, beobachten die Begleiter immer wieder mit viel Freude und großen Emotionen: Völlig unkompliziert entwickeln sich bei gemeinsamen Aktivitäten am Lagefeuer, bei Workshops, beim Schwimmen, Wandern, Blaubeersammeln, Chillen, Grillen, Disco u.v.a. herzliche Freundschaften, die manchmal sogar in der ersten großen Liebe enden.

 

Helmut Hamke und Harald Stangenberg hatten vor über 20 Jahren begonnen, diese gemeinsame Ferienfreizeit an der KGSE einzurichten, um etwas im Rahmen der gegründeten Partnerschaft zwischen KGSE und der Schule Selenogradsk zu gestalten.

 

Da die Gäste aus Selenogradsk vom Meer, Sand und Dünen nahezu verwöhnt sind, wünschten sie sich, auch einmal Berge zu erleben. So fand Helmut Hamke im ehemaligen Bergwerkshaus „Kraftzwerg" bei Clausthal-Zellerfeld dafür das geeignete Domizil. Bergwerksmuseum, Sommerrodelbahn, Seilbahnen, Stauseen und Holzschnitzereien kannten die russischen Kinder bisher nicht und so fand die 10tägige gemeinsame Freizeit in diesem Jahr bereits zum 8. Mal im Harz statt.

 

Kurz vor der Reise erkrankte die langjährige Leiterin der russischen Gruppe, Olga Baraeva, aber mit ihrer Kollegin Tatiana Zhevlakova fand sich schnell eine kompetente Vertreterin.

 

Auf Seiten der KGSE waren Helmut Hamkes Kolleginnen Irialisa Osnabrügge und Susanne Osmann mit ihren kreativen Kochkünsten für das leibliche Wohl der 50köpfigen Gruppe zuständig.

 

Eine große Hilfe waren Lukas Fischer und Janik Hinrichs, die an der KGSE ihr Freiwilliges Soziales Jahr absolvierten, beziehungsweise absolvieren werden. Sie erledigten Versorgungsfahrten und standen den Kindern immer zur Seite.

 

„Betreuer im eigentlichen Sinne brauchen wir nicht, wir passen schon selbst auf uns auf!" berichtet Leif Weers, der - wie viele andere Schülerinnen und Schüler auch - Hamke schon mehrfach auf seinen Ferienfahrten begleitet hat. Auch Michelle Wefer von der Leibnizschule war in diesem Jahr mit dabei.

 

Mit ganz viel Sympathie und Engagement brachte sich die 18jährige Vasilia Pershina als Dolmetscherin in die Gruppe ein. Sie schrieb Folgendes über die Freizeit:

 

„Ab dem ersten Tag haben die Deutschen uns ihre Freundlichkeit gezeigt. Die ganze Zeit waren sie hilfsbereit. Am Anfang haben russische Kinder gedacht, dass es mit kommunizieren gehen wird, weil sie kein Deutsch können und viele deutsche Kinder wirklich älter als sie sind. Aber es hat sehr toll geklappt. Die älteren Kinder von deutscher Seite hatten viele Angebote für unsere Kinder. Russen haben sich gewundert, dass man z. B. UNO oder Tennis spielen kann, ohne Deutsch zu verstehen. In kurzer Zeit haben alle sich ganz toll befreundet. Die zehn Tage waren ganz schnell vorbei. Leider! Wir hatten volles Programm, haben viele tolle Sachen gemacht. Die Kinder fanden das interessant deutsche Kultur kennen zu lernen. Am letzten Tag haben die Kinder sich ungern verabschiedet, weil sie noch mehr bleiben wollten.

 

Eine tolle Sache ist, dass man miteinander kommunizieren kann ohne die Sprache zu wissen. Was auch wunderbar ist, dass trotz der politischen Situation können alle so gut auskommen. Während der Reise haben alle viele tolle Sachen zum ersten Mal erlebt. Alles war ganz super organisiert. Jedes Kind hat seine Eindrücke jeden Tag auf ein Blatt geschrieben. Auf allen Blättern konnte man sehen, dass die Russen die deutsche Gruppe toll finden und freuen sich, dass sie auch mit denen sprechen, spielen, einfach gut Zeit verbringen können."

 

Fazit:

 

Gerade jetzt in politisch schwierigen Zeiten müssen Begegnungen zwischen Kindern und Jugendlichen stabilisiert und aufrechterhalten werden. Der Verein Selenogradsk, Sportvereine des Kreises, Kreisfeuerwehren und nicht zuletzt die KGSE zeigen, wie es geht.

 

Und es geht eigentlich ganz einfach, das zeigen die Kinder!

 

Helmut Hamke

Harald Stangenberg